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Letzte Änderung: 02.12.2003

Team Bittel Swiss Alpine 2000 Team Bittel
  
Erwins Bericht vom

 Swiss Alpine 2000

 

Der Mann mit den zwei Startnummer



Startnummer 4718 und 4822

Swiss Alpine Marathon 29.07.2000

Ich hatte mich auf den Anruf eines guten Freundes hin spontan am Tag vorher entschieden mitzumachen. So richtig fit erst drei Monaten nach dem Marathon des Sables fühlte ich mich noch nicht. Doch Holger war mit im selben Zelt beim MdS im April. Das verbindet uns, wohl auf ewig. Und das war mein Grund zu kommen. Am Ende waren dann sogar noch mehr MdS-Freunde dort. Es gibt beim Swiss Alpine drei Lauf-Distanzen: 30km, 42km, 78km. Ich wollte nicht mehr als die 30km laufen. Holger hatte mich angemeldet, ich mich noch einmal. Es war zu spät zum Zurückgeben der zweiten Startnummer. So entschied ich mich eben "für zwei" zu laufen. Es soll einer der härtesten Läufe dieser Welt sein, weil viele Steigungen und tiefe Gefälle zu nehmen waren und es hoch hinauf ging vom abgelegenen Davos. Ich kam am Vorabend an und durfte bei Holgers Sohn im Zelt schlafen. Zwar regnete es, doch wir waren guter Hoffnung, daß es am Morgen wieder aufhören würde. Leider war dem nicht so, es nieselte und die Wolken hingen so tief, daß wir nichts sehen konnten von den grünen Berghängen und den umliegenden Gipfeln. Und kalt war es dazu. Wir erinnerten uns an die überheißen Temperaturen in der marokkanischen Wüste. Welch ein Gegensatz!

Dann starteten wir etwas kühl im malerischen Ort Davos, und kamen nach einer Dorf-Runde ins freie Tal. Jetzt hatte sich der Regen etwas verzogen. Die Strecke war flach, fast eben und wir konnten über 10 km lang gut traben. Ich war erstaunt wie gut es schon wieder ging. Scheinbar hatte ich die wochenlange Erholungsphase gut überwunden. Mal sehen, ob das so bleibt wenn es später in die Berge geht, dachte ich. Der erste Berg war noch klein, kurz und schon ging es wieder bergab. Doch dann kam der lange Anstieg der Leiden ab km 12. Okay, der ursprüngliche Wald mit den engen Pfaden war schön anzusehen, das enge Tal, die grünen Auen, ab und an Kühe neben uns, aber: hört der Berg denn nie auf? Ich hatte beschlossen zu gehen, statt in Trippelschritten über die Wurzeln bergauf zu laufen wie die anderen. Langsamer war ich dadurch kaum. So ist meine Taktik, bergauf etwas langsamer, damit der Puls konstant bleibt, und abwärts dann laufen lassen. Die allermeisten Läufer machen es genau umgekehrt, kommen dann oben an und sind erst einmal erholungsbedürftig. Und wenn der Berg zu Ende ist kann ich dann ausgeruht hinuntergleiten, vorbei an allen die mich bergauf passiert haben und noch vielen mehr. Ich fühlte mich wie an einem Gleitschirm hängend ins Tal einschweben.

Nach dem Streckenprofil, das wir alle ausführlich am Vorabend diskutiert und studiert hatten sollte jetzt nur noch ein kleines Hügelchen kommen. Aber hoppsa, es war ein Berg bei km 24! Da scheinen die Organisatoren etwas untertrieben zu haben. Ich war nicht darauf vorbereitet, hatte aber noch genügend Reserven. Gut, daß ich immer Reserven lasse. Manchmal sage ich das sogar in Gedanken vor mich hin.

Die letzten km waren harter Asphalt, doch ich konnte meine Füße laufen lassen und zog noch an vielen Läufern vorbei bis zum steil abfallenden Zieleinlauf nach Filisur. Wir 30er mußten in einen wirklich engen Zielkanal, die 78-km-Läufer wurden fleißig weiter gewunken.

Am Ende war ich 9ter in meiner Klasse (2:08:00) und 33ter von etwa 500 harten Läufern die diese Strecke gewählt hatten.

Lustig war die Zeitnahme im Ziel: "Ja was isch denn das? Da hat der doch zwei Nümmerli! Ja sowas chan doch gar nicht sein! Aufseher, was machen wir jetzt mit dem, heh?" - Ich mußte mich noch lange danach kringeln über diese rührende Ratlosigkeit.

Ich habe mich im Ziel erst einmal eine Runde gedehnt, gestreckt, Bananen und Äpfel gegessen, mich massieren lassen und dann nach und nach die anderen die ich kannte im Vorbeikamen angefeuert. Inge lieh ich meinen Windbraker, denn es sollte oben auf den Gipfeln kalter eisiger Wind wehen. Holger begleitete ich ein Stück. Dann ging’s mit der Bergbahn zurück nach Davos, endlich war der Blick auf die herrliche Berggegend frei. - Ein Lauf der so hart wie schön ist.

  
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